Link verschicken   Drucken
 

Ein negativer Strom-Preis.

Ein Absurdum.

 

Hierzu ist es notwendig, ausführlicher die Problematik zu erläutern.  Elektrischen Strom kann man nicht unmittelbar speichern. D.h. es muss stets so viel produziert werden, wie verbraucht wird. Es sind nur geringe Abweichungen bei dieser Bilanz zulässig, die sich in der Differenz zwischen der aktuellen Netzspannung und dem Sollwert wiederspiegelt.

 

Folgende Möglichkeiten zur Einhaltung dieser Bilanz bestehen:

 

A. Die Erzeugung wird dem aktuellen Verbrauch angepasst.

Diese Möglichkeit wurde bisher (vor der Energiewende) ausschließlich angewandt. Dabei gilt, dass man den Verbrauch eines Versorgungsbereiches (eines sog. Bilanzkreises) recht genau prognostizieren kann. Entsprechend dieser Prognose und dem aktuellen Zustand des Netzes wird die Leistung der Stromerzeuger (zentrale Kraftwerke, die sich im Besitz der Energieversorger befinden) gesteuert. Gegebenenfalls wird mit anderen Bilanzkreisen zusammengearbeitet.

Im Zusammenhang mit der Energiewende,

  • bei der Stromerzeuger auf erneuerbarer Basis vorrangig berücksichtigt werden müssen,
  • die Erzeugung volatil (d.h. nicht steuerbar) ist und
  • Anlagen in der Regel sich nicht im Besitz der Energieversorger befinden,

funktioniert die Möglichkeit, die Erzeugung an den Verbrauch anzupassen, nicht mehr reibungslos. Es müssen die anderen Möglichkeiten zur Einhaltung der Bilanz genutzt werden.

 

B. Der Verbrauch wird der Erzeugung (dem Angebot) über einen variablen Tarif angepasst.

Hierbei handelt es sich um eines der Prinzipien der Marktwirtschaft, bei dem durch den Preis einer Ware die Bilanz zwischen Angebot (Erzeugung) und Nachfrage (Verbrauch) geregelt wird. Der Gesetzgeber verpflichtet die Energieversorger seit 5 Jahren (2010) einen variablen Tarif anzubieten [§40 EnWG]. Er hat jedoch mit der Formulierung „wenn es technisch möglich und ökonomisch sinnvoll ist“ eine Hintertür geöffnet, die bisher die Einführung der Marktwirtschaft für Endverbraucher auf dem Stromsektor vollständig verhindert hat. (

Argumente, die häufig gegen einen variablen Tarif genannt werden: Die Anpassung des Stromverbrauches an einen variablen Tarif bringt keine ausreichenden Effekte. Das mag für einen normalen Haushalt gelten. Für die Industrie oder das Gewerbe trifft das jedoch nicht zu. (In einem nachfolgenden Artikel wird darauf eingegangen.) Das zweite Argument: Die für einen variablen Tarif erforderlichen intelligenten Zähler (Smart Meter) sind zu teuer. Für die derzeit entwickelten Smart Meter trifft das zu. Es gibt jedoch ein Konzept, mit dem ein preiswerter, geeigneter und tatsächlich intelligenter Zähler produziert werden könnte. (Auch darauf wird in einem nachfolgenden Artikel eingegangen.

 

C. Durch Pufferung (Zwischenspeicherung) des Stromes kann die Bilanz bequem eingehalten werden.

Dazu bedarf es geeigneter Speichertechnologien für die Kurzzeitspeicherung (Ausgleich der Tagesschwankungen und Schwankungen im Wochenverlauf) als auch der Langzeitspeicherung (Ausgleich der jahreszeitlichen Schwankungen).

Entgegen der allgemeinen Meinung gilt: Diese Technologien sind vorhanden. Sie sind teilweise bereits seit über 100 Jahren bekannt und erprobt oder wurden bereits vor über 50 Jahren großtechnisch angewandt. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Pumpspeicherwerke. Insbesondere gibt es einige Speichertechnologien, die erst vor kurzem entwickelt wurden. Weiterhin ist es erforderlich, dass auf dem Gebiet der Speichertechnologien intensiv geforscht wird.

Es fehlt ein ökonomischer Anreiz, Speichertechnologien anzuwenden. Dabei geht es nicht darum, neue teure Förderprogramme aufzulegen. Vielmehr geht es darum, die Vorteile marktwirtschaftlicher Regelungen zu nutzen.

Man stelle sich vor, die Anwohner von Windparks erhalten die Möglichkeit, den Strom, sofern der Wind weht, zu einem Preis zu erhalten, der die Einspeisevergütung (7 Cent/ kWh), den üblichen Aufwand  für den örtlichen Netzbetreiber (4 Cent/kWh) sowie die Mehrwertsteuer (19%) deckt. (Das ergibt max. 14 Cent/kWh gesamt.) Was für einen Run auf Speicher würde das auslösen? Die Wirkung wäre größer als jedes Konjunkturprogramm und würde nichts kosten (außer das Papier für den Gesetzestext).

Weiterhin würden dadurch viele Bürgerinitiativen entstehen, die die Ausweisung von Windeignungsgebieten für naturverträgliche Windkraftanlagen in regionalem Besitz fordern würden. Eine Utopie bei den derzeitigen planwirtschaftlichen Zuständen auf dem Stromsektor. ()

Im Ergebnis der Schaffung eines materiellen Anreizes durch Einführung der Marktwirtschaft auf dem Stromsektor würde neben der drastischen Erhöhung der Versorgungssicherheit die Notwendigkeit stark reduziert, Reservekapazität mit konventionellen Kraftwerken bereit zu halten.

Das ist natürlich nicht im Interesse der etablierten Energieversorger. Für sie wäre eine zusätzliche Umlage für die Bereithaltung von Reservekapazität günstiger, die den Strompreis erneut „wegen der Energiewende“ anhebt.

 

D. Die  Einhaltung der Bilanz zwischen Erzeugung und Verbrauch ist auch mit einer zentralistischen Steuerung statt einer Regelung mit einem variablen Tarif möglich.

 

Dieses Prinzip verbirgt sich hinter den Begriffen „intelligente Netze“ (Smart Grids) oder „virtuelle Kraftwerke“, bei dem die einzelnen Erzeuger und Endverbraucher mit einer Zentrale informell verbunden sind. Sie erscheint dabei eine Weiterentwicklung der bisherigen Verfahrensweise (Möglichkeit A) zu sein, bei der nicht nur die Kraftwerke sondern auch die Endverbraucher zentral angesteuert werden.

Dieses Prinzip ist jedoch nichts anderes, als der Versuch, die Planwirtschaft mittels moderner Kommunikationstechnologie zu perfektionieren. Ein Unterfangen, welches erfahrungsgemäß zum Scheitern verurteilt ist.

Zusätzlich beinhaltet dieses Prinzip, dass dadurch die Wohnung der Endverbraucher ausspioniert werden kann. Das ist verfassungswidrig.

 

E. Die Abschaltung der Stromerzeuger bei Überangebot ist eine weitere Möglichkeit zur Herstellung der Bilanz. Sie ist im EEG §6 gesetzlich geregelt. Das ist die bisher schlechteste Möglichkeit zur Einhaltung der Bilanz.

Sie ist damit vergleichbar, dass ein Obstbauer seine Äpfel nicht erntet, weil er sie nicht sofort als Tafeläpfel vermarkten kann und die Lagerung in Kühlhäusern, Gewinnung von Apfelsaft oder Apfelkompott nicht in Erwägung zieht.

 

F. Schaffung eines materiellen Anreizes, dass Überschüsse von anderen Bilanzkreisen abgenommen werden. D.h. das Bezahlen der Abnahme einer wertvollen Ware (Strom). So lange es sich nicht um Müll oder Schadstoffe handelt, wird man eine derartige Verhaltensweise, Geld dafür zu bezahlen, dass einem etwas Wertvolles abgenommen wird, als eine Form von Geisteskrankheit diagnostizieren.

Dieses Absurdum ist nur möglich, da entsprechend den Ausführungen zu Artikel Nr.1 eine Senkung des Börsenpreises zu einer Erhöhung des Endverbraucherpreises führt.

 

Wenn durch die Politik das Paradoxon der steigenden Endverbraucherpreise bei sinkender Einspeisevergütung beseitigt wird, wird es auch das Absurdum negativer Börsenpreise nicht mehr geben.

Wenn also die finanziellen Verluste durch das Absurdum nicht mehr an den Endverbraucher weiter gegeben werden können, sondern die Dividenden der Aktionäre schmälern, wird es umgehend variable Stromtarife geben. Die Endverbraucher können dann entscheiden, was mit dem überschüssigen Strom geschieht. Sehr wahrscheinlich werden sie bevorzugt Stromverbraucher dann einschalten, wenn der Strom billig ist und sich Speicherkapazitäten schaffen, um den billigen Strom nicht ungenutzt zu lassen.