Link verschicken   Drucken
 

Marktwirtschaft auf dem Stromsektor

- Verursacherprinzip

 

Die Anwendung des Verursacherprinzips bedeutet, dass derjenige die Kosten zu tragen hat, der sie verursacht. Dieses Prinzip sichert Gerechtigkeit und gewährleistet Sparsamkeit.

 

Lediglich aus Gründen der Solidargemeinschaft darf dieses Prinzip partiell durchbrochen werden. Das wird z.B. bei Versicherungen angewandt. Hier werden Risiken gemeinsam, d.h. solidarisch, getragen. Damit jedoch Sparsamkeit und die Gerechtigkeit weiterhin gelten, werden Risikogruppen gebildet. So erreicht man, dass Gruppen, die ein höheres Risiko erzeugen, z.B. Sportwagenfahrer gegenüber „Normalbürgern“ höhere Beiträge zu zahlen haben.

 

Auf dem Gebiet der Stromwirtschaft ist natürlich auch die Bildung von Solidargemeinschaften notwendig, damit die Energieversorger ihrer Versorgungspflicht nachkommen können. Mit dem Solidarprinzip darf allerdings nicht das Verursacherprinzip ausgehebelt werden und Raum für Verschwendung/ beliebige Kostensteigerung geschaffen werden.

 

Nachfolgend Beispiele, wie gegen das Verursacherprinzip verstoßen wird:

 

1.Netzentgelt zur Deckung der Transportkosten des Stromes.

 

Bei einer vernünftigen Regelung trägt derjenige die Transportkosten, für den der Transport notwendig ist.

 

Einfaches Beispiel: Kartoffeln. Wenn wir in Deutschland Kartoffeln aus Südamerika beziehen, bezahlen wir mit dem Kaufpreis die Anbaukosten und den Transport. D.h. diese Kartoffeln sind dadurch gegenüber einheimisch erzeugten Kartoffeln teurer, auch wenn die Erzeugerkosten in Südamerika deutlich niedriger sind. Anders wäre es, wenn die Transportkosten von den Bürgern des jeweiligen südamerikanischen Staates zu tragen wären. In diesem Fall würde der Deutsche Bauernverband wegen unzulässiger Subventionierung klagen und die Bürger des südamerikanischen Staates würden ihre Politiker in die nächste Irrenanstalt schicken.

Auf dem Stromsektor ist aber genau diese Unvernunft zu verzeichnen. Die Bürger der Bundesländer, in denen der Strom produziert oder durchgeleitet wird, bezahlen über das Netzentgelt die Kosten für die Stromtrassen.

 

Inzwischen wurde diese Ungerechtigkeit erkannt und man fordert ein bundeseinheitliches Netzentgelt (siehe Pkt. 6. in http://www.spd-brandenburg.de/fileadmin/user_upload/spd-brandenburg_de/15/_pdf/150707_Windenergie.pdf ). Das ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Dieser Schritt ist aber „zu kurz gesprungen“. Gerecht und vernünftig wäre, dass diejenigen Bundesländer die Kosten für den Stromtransport zu tragen haben, die diese Kosten verursachen, d.h. die Bundesländer, die Strom „importieren“ müssen. Logischerweise muss von den Politikern der benachteiligten Bundesländer die Forderung zu einer gerechten Regelung gestellt werden. Auch wenn diese Forderung schwer gegen reiche Bundesländer durchzusetzen sein wird, so ist es z.B. die Pflicht der Landesregierung von Brandenburg, diese Forderung mit Nachdruck im Interesse seiner BürgerInnen zu stellen.

 

Mit der Durchsetzung des Verursacherprinzips bei den Transportkosten würde auch sofort die Frage nach der Angemessenheit der Kosten gestellt (Sparsamkeitsprinzip). Solange andere die Kosten tragen, wie es derzeit der Fall ist, oder sie „solidarisch auf breite Schultern“ verteilt werden, wird diese Frage erfahrungsgemäß kaum eine Rolle spielen. Bei Anwendung des Verursacherprinzips würde man Vergleiche anstellen, welche Transporttechnologie die geringsten Gesamtkosten bedingen.

 

Zur Erläuterung:

Die EU exportiert in großem Umfang (überschüssige) Milch nach Asien und Afrika. Dabei wird diese Milch nicht direkt transportiert sondern vorher in Milchpulver, eine beliebig lagerfähige und effektiv transportierbare Form, umgeformt. Der Energieaufwand zur Herstellung des Milchpulvers ist wesentlich geringer als der Aufwand für die Lagerung und den Transport der leicht verderblichen Milch. Auch in der einheimischen Lebensmittelindustrie wird vorwiegend Milchpulver statt Frischmilch eingesetzt.

 

Vergleichbare Bedingungen wie bei der Milch liegen beim Strom vor. Strom ist nicht unmittelbar lagerfähig. Beim Transport über Trassen entstehen wesentlich höhere Verluste als bei einem Energietransport mittels Pipelines (im vorhandenen!! Erdgasnetz). Und noch wichtiger: Die Stromtrassen sind die Achillesferse unserer Industriegesellschaft. In zwei weiteren Artikeln zu „Power-to-Gas“ und „Blackout“ wird auf die Problematik Transportkosten und Versorgungssicherheit noch einmal eingegangen.

 

2. Eine weitere Ungerechtigkeit beim Netzentgelt gibt es mit der Konzessionsabgabe. Da letztere nicht explizit den Stromkunden der jeweiligen Kommunen „solidarisch“ zugeordnet wird, sondern in dem Netzentgelt „verschwindet“, erhalten die Kommunen, staatlich geregelt, über die Festlegung der Höhe der Konzessionsabgabe das Recht, BürgerInnen anderer Kommunen in die Tasche zu greifen.

 

Bilden Sie sich selbst eine Meinung, ob die derzeitigen Regelungen zur Konzessionsabgabe gerecht sind.

 

Sicherlich wäre hier eine bundeseinheitlich festgelegte Konzessionsabgabe eine gerechtere Lösung.

 

3. Lastabhängigkeit.

Es muss nicht erläutert werden, dass sich der Aufwand für den Netzbetreiber mit der Spitzenlast erhöht, die ein Kunde benötigt. Bei Kunden in der Industrie wird deshalb ein von der Spitzenlast in einem bestimmten Zeitraum abhängiger Tarif angewandt. Ungerecht wird dabei empfunden, dass dabei die einmalige kurzzeitige Überschreitung des Limits in gleichem Maße „abgestraft“ wird, wie ein längeres oder häufiges Überschreiten. Ein lastabhängiger variabler Tarif könnte diese Ungerechtigkeit beseitigen. Auch Haushalte könnten dadurch an einer Entlastung des Netzes durch Reduzierung der Spitzenlast interessiert werden. Ein weiterer Gesichtspunkt, der für einen dezentralen Einsatz von Stromspeichern (Batterien) spricht.

 

Welches Potential in einem lastabhängigen Tarif steckt, erkennt man an folgenden Relationen:

Ein üblicher Haushalt verbraucht ca. 3000 kWh elektrische Energie im Jahr (= 8760 Stunden). Das ergibt eine durchschnittliche Leistung von ca. 350 Watt. Abgesichert ist die Hausinstallation häufig mit 3 x 64 A. Das ergibt bei einer Netzspannung von 230V eine Leistung von ca. 44 kW, die maximal dem Netz entnommen werden kann. Ein um den Faktor von ca. 1500 höherer Wert, als der Durchschnittswert!!  Bereits ein elektrischer Kochherd von 5 kW Leistung verbraucht in der Spitze ein um den Faktor 14 höheren Wert als der Durchschnitt. Würde diese Spitzenbelastung angemessen durch einen lastabhängigen Tarif Berücksichtigung finden, würde so mancher über folgende Alternativen nachdenken:

 

A. Das Kochen mit Gas ist immer wirtschaftlicher als mit teurem Strom ( außer es steht billiger Strom zur Verfügung z.B. durch Wasserkraft, wie in den skandinavischen Ländern und vorausgesetzt, Gas ist bezahlbar verfügbar, siehe hierzu Schlussfolgerungen des Vereins zu EU-Gasstresstestbericht vom 16.10.2014). Außerdem verfügt das Gasnetz über eine Pufferfunktion und kann Lastschwankungen besser abfedern als das Stromnetz.

 

B. Der Kochherd wird aus einer Heim-Batterie (mit Gleichstrom) betrieben. Das bedeutet, die Batterie wird langsam aus dem Netz oder einer PV-Anlage gefüllt, wenn der Strom günstig ist. Während der relativ kurzen Zeit des Kochens wird die benötigte hohe Leistung der Batterie entnommen und das öffentliche Netz wird nicht belastet. Eine solche sinnvolle Lösung, wie wir sie beim WC mit Spülkasten statt Druckspüler kennen, ist ohne einen lastabhängigen variablen Tarif nicht denkbar. (Außer bei einer Insellösung der Stromversorgung.)

 

Bei allen angeschnittenen Fragen zur Durchsetzung des Verursacherprinzips ist die Politik gefordert.